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Mehr Transparenz im Kampf um die Aufwertungsgewinne

In der Diskussion über die Auswirkungen des starken Frankens werden die Aufwertungsgewinne selten erwähnt. Für inländische Haushalte und Unternehmen bietet die Frankenaufwertung die Chance, ausländische Konsumgüter oder Vorprodukte (in Franken) günstiger zu erwerben. Dabei geht es potenziell um grosse Summen. Bei Importen im 2010 von 174 Mrd. Franken bedeutet die reale Aufwertung um 15% seit Januar 2010, dass für diese Importgüter 26 Mrd. Franken weniger bezahlt werden müsste, wenn die Wechselkursvorteile tatsächlich an die Kunden in der Schweiz vollständig weitergegeben würden. Dabei stellen sich zwei Fragen. Zum einen interessiert, wie gross das Preissenkungspotenzial bei einzelnen Gütergruppen ist und wie stark dieses ausgeschöpft wird. Dieser Frage wird in der Transparenzstudie des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) nachgegangen. Ein interessantes Ergebnis ist, dass von einem Franken, den der Konsument ausgibt, im Durchschnitt lediglich 15 Rappen direkt ins Ausland gehen. Hohe Importanteile und gleichzeitig eine kleine Weitergabe der Wechselkursvorteile vermuten die Autoren bei den folgenden Produktkategorien: Genussmittel, Unterhaltungselektronik, Druckerzeugnisse, Motorfahrzeuge, Haushaltsgeräte, Sport- und Freizeitartikel, Bekleidung und Schuhe. Die zweite wirtschaftspolitisch relevante Frage ist, warum die Wechselkursvorteile bei gewissen Produkten mit grosser Verzögerung und nur teilweise weitergegeben werden, aber auch, wie dies geändert werden kann. Es wird gerne vergessen, dass Wechselkursschwankungen Risiken sind, welche Unternehmen durch Absicherungen zu reduzieren trachten. Das erklärt teilweise, weshalb Importpreise verzögert auf Wechselkursschwankungen reagieren. Jedoch gibt es in einer Marktwirtschaft auch einen Verteilungskampf um die oben erwähnten 26 Mrd. Franken. Ausländische Produzenten profitieren von unveränderten Frankenpreisen und senken diese nur dann, wenn sie befürchten müssen, Kunden zu verlieren, weil diese zu Konkurrenzprodukten wechseln oder die Produkte direkt im Ausland beziehen. Diese Möglichkeit wird jedoch durch Handelshemmnisse und teilweise durch private Absprachen erschwert. Die Wirtschaftspolitik ist deshalb gefordert, weiter am Abbau von Handelshemmnissen zu arbeiten und zu verhindern, dass private Absprachen den grenzüberschreitenden Wettbewerb behindern. Schliesslich sind aber auch die Kunden in der Schweiz aufgerufen, preisbewusst einzukaufen bzw. hart mit ihren Lieferanten zu verhandeln, wenn sie von den Aufwertungsgewinnen profitieren möchten.

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Prof. Dr. Peter Moser
Prof. Dr. Peter Moser
Wirtschaftsberater des Vorstehers EVD



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